AT&T findet den richtigen Empfang: Warum der Telekom-Riese plötzlich wieder der Liebling der Börse ist
Vergessen Sie die Zeiten von Schuldenbergen und Identitätskrisen; AT&T kehrt zu seinen Wurzeln zurück und gewinnt auf ganzer Linie. Mit einem Boom bei Glasfaser und Mobilfunk beweist der US-Blue-Chip, dass solide Infrastruktur die ultimative Cash-Maschine ist.
Was passiert ist
Lange Zeit war das Verfolgen der AT&T-Aktie etwa so spannend wie das Warten auf einen Handwerkertermin zwischen 8 und 16 Uhr. Doch der aktuelle Quartalsbericht zeigt: Der US-Riese ist wieder voll auf Sendung. Während deutsche Anleger oft auf die Stabilität der Telekom schauen, liefert AT&T in den USA gerade eine Performance ab, die eher an die Zuverlässigkeit eines DAX-Schwergewichts wie Siemens erinnert.
AT&T meldete einen massiven Erfolg im Kerngeschäft: Ganze 421.000 neue Vertragskunden im Mobilfunk kamen im letzten Quartal hinzu. Zum Vergleich: Während die Konkurrenz um jeden einzelnen Kunden kämpft, räumt AT&T das Feld von hinten auf. Aber der eigentliche Star war nicht das Mobilfunknetz, sondern die Glasfaserkabel unter den Gehwegen. Das Unternehmen gewann 283.000 Glasfaser-Abonnenten hinzu – das 19. Quartal in Folge mit über 200.000 Neuzugängen.
Investoren belohnten diesen Fokus auf das Wesentliche mit Kursgewinnen. AT&T konzentriert sich wieder darauf, was es am besten kann: Die Verbindung sicherstellen, damit wir im Homeoffice glänzen oder unterwegs streamen können.
Die Strategie: Die Macht der Konvergenz
Wenn AT&T-Manager von „Konvergenz“ sprechen, ist das kein leeres Berater-Deutsch. Es ist die geschäftliche Version eines „Kombi-Vorteils“, der tatsächlich funktioniert. Es ist ein bisschen wie bei BMW: Wenn man erst einmal das Fahrgefühl und das Infotainment-System liebt, bleibt man der Marke treu.
AT&T hat erkannt: Wenn sie dem Kunden sowohl das Heim-Internet (Glasfaser) als auch den Mobilfunkvertrag verkaufen, ist die Wechselbereitschaft verschwindend gering. Man trennt sich nicht so einfach von dem Unternehmen, das den digitalen Herzschlag des Haushalts steuert. CEO John Stankey betonte: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass unsere Strategie aufgeht und wir auf die richtige Weise wachsen – mit Qualitätskunden, die uns lange erhalten bleiben.“
Auf einen Blick
- Mobilfunk-Champion: 421.000 neue Vertragskunden zeigen das hohe Vertrauen in das Netz.
- Glasfaser-Boom: 283.000 neue Anschlüsse belegen, dass Highspeed-Internet längst kein Luxus mehr ist, sondern zur Grundversorgung gehört wie Strom und Wasser.
- Treue Kunden: Die „Churn-Rate“ (Kündigungsrate) ist historisch niedrig. Wer einmal bei AT&T ist, der bleibt.
- Cashflow ist König: Das Unternehmen generiert Milliarden an freiem Cashflow, was hilft, den Schuldenberg abzutragen und die Dividenden für die Aktionäre stabil zu halten.
Warum das wichtig ist
Warum sollte es einen deutschen Anleger interessieren, wenn ein US-Telekom-Riese gute Zahlen vorlegt? Weil AT&T ein „Bellwether“ ist – ein Leithammel für die Konsumstimmung. Wenn Menschen ihre Telefon- und Internetrechnungen priorisieren, zeigt das, dass Konnektivität von einer „nice-to-have“-Ausgabe zu einer lebensnotwendigen Existenzgrundlage geworden ist.
Für die Millionen von Anlegern, die AT&T wegen der Dividende im Depot haben, ist diese Stabilität ein Segen. Nach Jahren riskanter Medien-Experimente (man denke an die teuren Zukäufe von HBO und CNN, die man lieber schnell vergessen möchte), ist AT&T endlich wieder ein „langweiliger“ Versorger. Und in einem volatilen Marktumfeld ist „langweilig“ genau das, wofür Investoren bereit sind, einen Aufpreis zu zahlen.
Das Fazit
AT&T hat aufgehört, ein Hollywood-Studio sein zu wollen, und ist stattdessen wieder zum erstklassigen „Installateur des Internets“ geworden. An der Wall Street kommt diese Rückkehr zur Bodenständigkeit hervorragend an.