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Fed-Tag-Fieber: Warum Zinspause statt Zinssenkung der wahre Motor für Ihr Depot sein könnte

29. Januar 2026Quelle: MarketWatch

Anleger gieren oft nach Zinssenkungen wie Kinder nach dem Eiswagen, doch historische Daten zeigen: Der Aktienmarkt performt oft besser, wenn Jerome Powell die Füße stillhält. Warum 'Status Quo' für DAX und S&P 500 die beste Nachricht sein könnte.

Das Pivot-Paradoxon

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Grillparty und der Gastgeber bestellt plötzlich fünfzig Pizzen beim Lieferdienst. Ihr erster Reflex: Super, Gratis-Essen! Doch dann flüstert eine kleine Stimme: Moment mal, warum brauchen wir fünfzig Pizzen? Ist das Grillfleisch verdorben? Sind wir hier für drei Tage eingeschlossen?

Genau so fühlt sich der Aktienmarkt aktuell bei dem Gedanken an Zinssenkungen der Federal Reserve. Während die Wall Street und das Frankfurter Parkett oft nach niedrigeren Zinsen schreien, um die Wirtschaft zu schmieren, wächst die Erkenntnis: Eine Zinssenkung ist oft der 'Notfall-Hammer'. Wenn Fed-Chef Jerome Powell die Zinsen senkt, könnte er damit eingestehen, dass die Konjunktur gerade eine heftige Erkältung bekommt. Hält er sie stabil, sagt er im Grunde: 'Entspannt euch, der Motor läuft wie bei einem gut gewarteten BMW – absolut rund.'

Die nackten Zahlen hinter dem Rauschen

Jüngste Daten haben das Narrativ 'Senkungen sind immer gut' ordentlich ins Wanken gebracht. Laut Analysen von MarketWatch hat der Aktienmarkt im Durchschnitt besser performt, wenn die Fed sich für eine Zinspause entschied, statt die Sätze drastisch zu kappen.

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass der S&P 500 (und in dessen Sog oft auch der DAX) während 'Pause-Zyklen' eine bemerkenswerte Resilienz an den Tag legt. Wenn die Fed die Zinsen hält, signalisiert das eine 'Goldlöckchen-Wirtschaft' – nicht zu heiß, um Inflation zu befeuern, aber auch nicht zu kalt, um eine Rettungsaktion zu benötigen. Im Gegensatz dazu schießen die Volatilitätsindizes an Senkungstagen oft in die Höhe, weil Investoren panisch nach den Rissen im Fundament suchen, die Powell zum Handeln gezwungen haben.

Wie ein Marktstratege treffend formulierte: "Die Reaktion des Marktes auf die Fed hängt weniger von der Tat selbst ab, sondern von der Zuversicht – oder deren Fehlen –, die Powell für die kommenden sechs Monate ausstrahlt."

Quick Take: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Stabilität ist Trumpf: Aktien haben historisch an 'Halte-Tagen' höhere Renditen erzielt als an 'Senkungs-Tagen', da dies wirtschaftliche Kontinuität signalisiert.
  • Volatilität als Ehrengast: Unabhängig von der Entscheidung schwankt der Markt nach Powells Pressekonferenz oft um 1 % oder mehr, während Händler jede Silbe auf die Goldwaage legen.
  • Das 'Warum' zählt mehr als das 'Was': Eine Zinssenkung aus Angst vor einer Rezession wird vom Markt ganz anders aufgenommen als eine Senkung, weil das Inflationsziel von 2 % nachhaltig erreicht wurde.

Warum das für Sie wichtig ist

Für den sicherheitsbewussten deutschen Anleger ändert dies die Dynamik von 'Buy the Rumor, Sell the News'. Wer nur an der Seitenlinie steht und auf die erste Zinssenkung wartet, verpasst unter Umständen die Party, die gerade bei stabilen Zinsen stattfindet.

Hohe Zinsen bedeuten meist, dass Banken wie die Deutsche Bank Geld verdienen und dass Schwergewichte wie Siemens oder SAP stark genug sind, um teurere Kredite zu stemmen. Wenn Powell die Zinsen hält, gibt er quasi ein Gütesiegel für die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft. Sollte er jedoch senken und der Markt bricht ein, ist das ein Zeichen dafür, dass die 'Versicherungssenkung' nicht ausreichte, um die Angst vor einer harten Landung zu nehmen.

An der Börse heißt es oft: "Don't fight the Fed" – legen Sie sich nicht mit der Notenbank an. Doch mindestens genauso wichtig ist: Interpretieren Sie sie nicht falsch. Ein 'Halt' ist kein Scheitern, sondern ein Vertrauensbeweis in die Stärke des Systems.

Das Fazit

Die Wall Street mag um Zinssenkungen beten, aber die Geschichte lehrt uns, dass eine eher 'langweilige' Ankündigung ohne Änderung oft der Treibstoff ist, der die Marktrallye am Laufen hält, ohne dass der Tank vorzeitig leer geht.