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Vom roten Teppich an die Börse: Wie Jennifer Garners Babyfood-Marke den Markt aufmischt

Vom roten Teppich an die Börse: Wie Jennifer Garners Babyfood-Marke den Markt aufmischt

6. Februar 2026

Once Upon a Farm, das von Jennifer Garner mitbegründete Bio-Startup für Kinderernährung, feierte ein beeindruckendes Börsendebüt mit einem Plus von 20 %. In einer Zeit, in der 'hochverarbeitete Lebensmittel' zunehmend kritisch beäugt werden, stellt sich die Frage: Kann 'Farmer Jen' Babybrei in solide Renditen verwandeln?

Was passiert ist

Vergessen Sie das Popcorn – an der New York Stock Exchange gibt es einen neuen Snack-Favoriten. Am Freitag feierte Once Upon a Farm (OFRM) sein Börsendebüt, und der Appetit der Anleger war größer als erwartet. Nachdem der IPO-Preis auf 18 $ (ca. 17 €) festgelegt wurde – genau in der Mitte der prognostizierten Spanne von 17 bis 19 $ – legte die Aktie keinen gewöhnlichen Start hin, sondern einen regelrechten Kurssprung.

OFRM eröffnete bei 21 $ pro Aktie – ein Plus von 16 % direkt aus dem Stand – und kletterte im Nachmittagshandel auf einen Zuwachs von 20 %. Am Ende des Tages hatten das Unternehmen und seine Geldgeber 11 Millionen Aktien verkauft, knapp 198 Millionen $ eingesammelt und dem Unternehmen eine Bewertung von rund 724 Millionen $ (ca. 680 Mio. €) beschert. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das sich auf kaltgepresste Quetschies mit Grünkohl und Äpfeln spezialisiert hat.

Der Kontext

Obwohl das Unternehmen bereits 2015 von Cassandra Curtis und Ari Raz gegründet wurde, schoss es erst 2017 in die Stratosphäre, als die Schauspielerin Jennifer Garner und der ehemalige Annie’s Homegrown-CEO John Foraker als Mitgründer einstiegen. Garner ist dabei weit mehr als nur ein prominentes Werbegesicht; sie trägt den Titel „Farmer Jen“, sitzt im Aufsichtsrat und packt operativ mit an, während Foraker das operative Geschäft leitet.

Dies ist jedoch nicht nur eine Geschichte über Promi-Faktor. Once Upon a Farm reitet auf einer massiven gesellschaftlichen Welle. Ähnlich wie in Deutschland die Diskussionen um den „Nutri-Score“ und gesündere Schulverpflegung zunehmen, rücken auch in den USA hochverarbeitete Lebensmittel ins Visier der Kritik. Eltern meiden zunehmend die staubigen Regale in der Mitte des Supermarkts und steuern gezielt die Kühltheken an – ein Trend, den man auch hierzulande bei Bio-Pionieren sieht.

Auf einen Blick

  • Der Sprung: Die Aktie stieg am ersten Handelstag um 20 %, was auf ein starkes Vertrauen der Investoren in den „Clean Label“-Trend hindeutet.
  • Das Wachstum: Der Nettoumsatz erreichte 2024 stolze 156,8 Millionen $, ein massives Plus von 66 % gegenüber dem Vorjahr.
  • Der Preis des Wachstums: Während der Umsatz in die Höhe schießt, schreibt das Unternehmen noch rote Zahlen. Die Verluste weiteten sich von 17,6 Millionen auf 23,8 Millionen $ aus, da massiv in die Skalierung investiert wird.
  • Die Mission: Als „Public Benefit Corporation“ ist das Unternehmen rechtlich sozialen Zielen verpflichtet. Man entschied sich für einen Börsengang statt eines Verkaufs, um die Unabhängigkeit von großen Lebensmittelkonzernen (den sogenannten „Big Food“-Playern) zu bewahren.

Warum das wichtig ist

Jahrelang folgte der Erfolgsweg für Food-Startups einem festen Muster: Marke aufbauen, in die Regale kommen und dann auf die Übernahme durch einen Riesen wie Nestlé oder Unilever warten. Doch Foraker und Garner brechen mit dieser Tradition. Mit dem Gang an die Börse wetten sie darauf, dass sie eigenständig bleiben können – ohne ihre „Bio-Seele“ an einen Großkonzern zu verkaufen.

„Wir wollen Kinder vom Babyalter bis zum Schulkind begleiten und das Leben der Eltern erleichtern“, erklärte Garner gegenüber CNBC. Diese Vision wird durch die Realität im Einzelhandel gestützt. Händler räumen den besten Platz in der Kühlung nun für ökologische Snacks frei – Flächen, die früher für etablierte Marken reserviert waren.

Für deutsche Anleger, die oft Wert auf Stabilität und Substanz legen (man denke an die soliden Geschäftsmodelle von DAX-Größen wie Siemens oder BMW), bleibt jedoch ein Wermutstropfen: Das Geschäft mit frischen Lebensmitteln ist kapitalintensiv. Ein Umsatzsprung von 66 % ist beeindruckend, aber die steigenden Verluste zeigen, dass die Logistik – die Kühlkette vom Bauernhof bis zum Kühlschrank – ihren Preis hat.

Das Fazit

Die Investoren wetten darauf, dass „Farmer Jen“ im Babyfood-Sektor das schafft, was sie in ihren Actionfilmen perfektioniert hat: Die Szene dominieren und die Konkurrenz alt aussehen lassen. Dennoch müssen die Zahlen bald der Fantasie folgen, damit die Aktie nicht zur volatilen Wette, sondern zum soliden Depot-Baustein wird.