Mickys neuer Chef: Warum der König der Freizeitparks nun Disney regiert
Nach einem Nachfolgepoker, der an die Machtkämpfe bei Siemens oder Volkswagen erinnert, hat Disney offiziell Josh D’Amaro zum neuen Kapitän gekürt, um das Traditionshaus in sein zweites Jahrhundert zu führen.
Die magischste Beförderung der Welt
Jahrelang war die Frage, wer den legendären Bob Iger an der Spitze der Walt Disney Company ablösen würde, das Top-Thema in Hollywood und an der Wall Street. Nun herrscht Gewissheit. Josh D’Amaro, der Mann, der Disneys Freizeitparks in den letzten Jahren in eine hochprofitable Gewinnmaschine verwandelt hat, wird der achte CEO in der 102-jährigen Geschichte des Konzerns.
D’Amaro hat keinen Sprint gewonnen, sondern einen Marathon. Er setzte sich gegen hochkarätige interne Konkurrenz wie Dana Walden durch. Mit 54 Jahren ist D’Amaro ein Disney-Urgestein mit 28 Dienstjahren, der das Unternehmen von der Pike auf kennt – ähnlich wie man es bei deutschen DAX-Vorständen schätzt. Er arbeitete sich von den Finanzabteilungen für Konsumgüter bis zum Präsidenten von Disneyland und Walt Disney World hoch.
Die Fakten: Zahlen statt Märchen
Anleger an der Frankfurter Börse und der Wall Street lieben gute Geschichten, aber sie lieben Bilanzen noch mehr. D’Amaros Erfolgsbilanz ist in tiefem Grün geschrieben. Seit er im Mai 2020 die Sparte „Experiences“ übernahm – in der wohl schwierigsten Phase für Freizeitparks weltweit – war das Wachstum atemberaubend.
Unter seiner Ägide stieg der Umsatz der Sparte um fast 40 % von 26,2 Milliarden US-Dollar (ca. 24,8 Mrd. €) im Jahr 2019 auf 36,2 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2025. Noch beeindruckender: Das Betriebsergebnis stieg um fast 50 % auf 10 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die Erlebnisparks machen mittlerweile massive 55 % bis 70 % des gesamten Disney-Gewinns aus.
Während Disneys Streaming- und Filmsparten eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebten, waren D’Amaros Parks der zuverlässige Motor – vergleichbar mit der Bedeutung des Industriegeschäfts für Siemens. Wie ein Analyst während des Wechsels feststellte: „D’Amaro hat eine nachgewiesene Erfolgsbilanz bei den Konsumenten und war maßgeblich für das Wachstum der Erlebnisssparte verantwortlich.“
Analyse: Warum D’Amaro das Rennen machte
- Krisenmanagement: Er übernahm die Parks 2020 mitten im Lockdown. Statt in Schockstarre zu verharren, trieb er Großprojekte wie den Avengers Campus voran und modernisierte die Gästetechnologie.
- Fokus auf Tech: D’Amaro forcierte mobiles Bestellen und die (zwar kontroversen, aber profitablen) digitalen Warteschlangen-Systeme.
- Die 60-Milliarden-Wette: Disney hat zugesagt, in den nächsten zehn Jahren 60 Milliarden US-Dollar (ca. 56,7 Mrd. €) in Parks und Kreuzfahrten zu investieren. Den Mann, der den aktuellen Erfolg aufgebaut hat, mit diesem Budget zu betrauen, signalisiert Stabilität – ein Wert, der gerade für deutsche Anleger oberste Priorität hat.
- Kreative Expansion: Er verantwortete den Start von Publikumsmagneten wie „Tron Lightcycle Run“, was beweist, dass er geistiges Eigentum (IP) perfekt in physische Erlebnisse übersetzen kann.
Warum das für Anleger wichtig ist
Hier geht es nicht nur um einen neuen Namen an der Tür. Die Entscheidung für einen „Park-Experten“ anstelle eines „Content-Managers“ zeigt genau, wo Disney seine Zukunft sieht. Während Netflix und Max um die Bildschirmzeit kämpfen, verdoppelt Disney seinen Einsatz in der physischen Welt.
Disney verkauft nicht nur Filme; sie verkaufen Tageskarten für 150 Dollar, Kreuzfahrten für 5.000 Dollar und Lichtschwerter für 20 Dollar. D’Amaros Ernennung deutet darauf hin, dass Disney zu seinen Wurzeln zurückkehrt: Hochwertige Erlebnisse mit hohen Margen, für die Fans jahrelang sparen. Es ist ein klares Signal, dass der massive Investitionsplan oberste Priorität hat.
Das Fazit
Disney wettet darauf, dass der Mann, der die Parks durch die Pandemie gerettet hat, der richtige Anführer ist, um den Konzern durch die Ära der Streaming-Kriege und des sich wandelnden Konsumverhaltens zu steuern. Für Investoren, die auf Beständigkeit und Cashflow setzen, ist dies eine Nachricht, die so solide wirkt wie ein BMW-Motor.