Silicon Valleys 1,1 Billionen Dollar Wette: Warum OpenAI und Anthropic Geld verbrennen wie zu Zeiten des Neuen Marktes
Während Skeptiker zweifeln, ob KI jemals schwarze Zahlen schreiben wird, verdoppeln die Schwergewichte der Branche ihre Einsätze mit schwindelerregenden Bewertungen. Wir analysieren, warum Investoren weiterhin Milliarden in das Rennen um das digitale Gehirn pumpen.
Was passiert ist
Stellen Sie sich vor, Sie betreten eine Spielbank in Baden-Baden, in der der Mindesteinsatz mehrere Milliarden Euro beträgt, aber die Croupiers den Hauptgewinn noch gar nicht vorgezeigt haben. Das ist die aktuelle Stimmung im Silicon Valley. Trotz eines wachsenden Chors von Analysten, die fragen: „Wann verdienen wir eigentlich Geld damit?“, geben die beiden Titanen der generativen KI – OpenAI und Anthropic – Vollgas in der Kurve.
OpenAI, der Schöpfer von ChatGPT, strebt derzeit eine Bewertung an, die auf bis zu 830 Milliarden Dollar (ca. 760 Mrd. €) klettern könnte. Um das einzuordnen: Das ist mehr als das Zehnfache des aktuellen Börsenwerts von BMW oder fast das Sechsfache von Siemens. Auch der Rivale Anthropic (das Team hinter Claude) lässt sich nicht lumpen und visiert eine Bewertung von rund 350 Milliarden Dollar an.
Wir sprechen hier nicht mehr nur von ein paar Millionen für Serverkosten. Diese Unternehmen sammeln Kapital in einer Größenordnung ein, die darauf hindeutet, dass sie nicht nur Software bauen – sie versuchen, das Fundament einer neuen Weltwirtschaft zu gießen.
Der Realitätscheck
Der Haken an der Sache: KI-Entwicklung ist extrem kapitalintensiv. Man benötigt tausende H100-Chips von Nvidia (Stückpreis ca. 30.000 $) und genug Strom, um eine Kleinstadt zu versorgen. In Deutschland, wo man traditionell eher auf solide Bilanzen und das „Prinzip Vorsicht“ setzt, lässt dies viele Anleger an eine Blase denken.
Ein prominenter Tech-Analyst brachte es kürzlich auf den Punkt: „Die Frage ist nicht, ob die Technologie beeindruckend ist – das ist sie zweifellos. Die Frage ist, ob die Kosten für eine einzelne KI-Anfrage jemals niedrig genug sein werden, um diese Unternehmen langfristig profitabel zu machen.“
Doch die Risikokapitalgeber, die diese Schecks ausstellen, sorgen sich nicht um das nächste Quartalsergebnis. Sie haben schlichtweg Angst, die nächste Industrielle Revolution zu verschlafen.
Quick Take
- Die Giganten: OpenAI jagt eine Bewertung von 830 Mrd. $, während Anthropic die 350 Mrd. $ Marke anvisiert.
- Der FOMO-Faktor: Investoren priorisieren Marktanteile und Rechenleistung vor sofortiger Rentabilität – Stabilität wird der Skalierung geopfert.
- Das Wettrüsten: Es geht nicht nur um Chatbots; es geht darum, wem die Basismodelle gehören, auf denen die deutsche Industrie ihre künftigen Anwendungen aufbauen muss.
- Die Burn-Rate: Die Kosten für das Training wachsen exponentiell, was diese ständigen, massiven Finanzierungsrunden notwendig macht.
Warum es wichtig ist
Warum sollte es Sie interessieren, wenn Milliardäre mit digitalen Chips zocken? Weil diese Bewertungen die Zukunft Ihres Arbeitsplatzes und Ihres Alltags bestimmen. Wenn OpenAI und Anthropic Erfolg haben, wird KI so allgegenwärtig wie Elektrizität – integriert in jede Excel-Tabelle, jede E-Mail und jeden Arztbesuch.
Sollten sie scheitern oder die „KI-Blase“ platzen, könnte dies eine massive Korrektur im Tech-Sektor auslösen, die über den S&P 500 bis hin zum DAX und Ihren ETF-Sparplan spürbar wäre. Wir erleben derzeit ein hochriskantes „Chicken-Game“ zwischen technologischem Potenzial und wirtschaftlicher Realität.
Das Fazit
OpenAI und Anthropic wetten zusammen über eine Billion Dollar darauf, dass es jeden Preis wert ist, als Erster die „Künstliche Allgemeine Intelligenz“ (AGI) zu erreichen – auch wenn der Weg zum Gewinn derzeit noch so neblig ist wie ein Novembermorgen im Schwarzwald.