
Gewinne mitnehmen: Warum Jim Cramer bei zwei US-Schwergewichten jetzt Kasse macht
Nach einem furiosen Start ins Jahr 2026 zieht Jim Cramers Charitable Trust die Reißleine – zumindest ein Stück weit. Wir analysieren, warum Home Depot und Honeywell gestutzt werden und was deutsche Anleger beim Thema Rebalancing von DAX-Größen wie Siemens lernen können.
Was passiert ist
Manchmal ist die beste Strategie an der Börse nicht das Aufspüren des nächsten „Tenbaggers“, sondern schlichtweg die Disziplin, Gewinne zu realisieren – ganz nach dem Motto: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand verarmt.“ Genau das tut Jim Cramers Charitable Trust diese Woche. Nach einem eher zähen Jahr 2025 sind zwei Schwergewichte des Dow Jones – der Baumarkt-Riese Home Depot (HD) und der Mischkonzern Honeywell (HON) – Anfang 2026 förmlich explodiert. Die zweistelligen Zuwächse waren schlichtweg zu verlockend, um sie nur auf dem Papier stehen zu lassen.
Der Trust verkauft 50 Aktien von Home Depot zu etwa 390 $ (ca. 360 €) und 20 Aktien von Honeywell für 236 $ (ca. 218 €). Es handelt sich dabei nicht um eine Panikreaktion, sondern um eine strategische Anpassung, wie man sie auch von konservativen deutschen Fondsmanagern kennt. Die Gewichtung von Home Depot sinkt von 3,75 % auf 3,25 %, während Honeywell auf einen Anteil von 2,35 % zurückgestutzt wird.
Die Immobilien-Achterbahn
Home Depot war zuletzt ein Rätsel für viele Analysten. Jahrelang war der US-Immobilienmarkt wie eingefroren. Hausbesitzer klammerten sich an ihre alten 3%-Hypotheken wie an ein liebgewonnenes Erbstück. Warum in ein neues Haus ziehen und 7 % Zinsen zahlen, wenn man fast umsonst wohnen kann? Dieser „Lock-in-Effekt“ führte dazu, dass Renovierungsprojekte – das Kerngeschäft von Home Depot – auf Eis gelegt wurden.
Doch das Blatt wendet sich. Es keimt Hoffnung auf, dass die Pläne der US-Regierung, Hypothekenanleihen im Wert von 200 Milliarden Dollar aufzukaufen, die Zinsen endlich nach unten drücken. Jeff Marks merkt dazu an: „Home Depot könnte weiter zulegen, wenn die Zinsen für 30-jährige Kredite unter die psychologisch wichtige Marke von 6 % fallen. Sollte dieser Schwung jedoch nachlassen, droht der Aktie ein Rücksetzer.“
Honeywell: Die Aufspaltung als Kurstreiber
Bei Honeywell verfolgen wir eine andere Geschichte, die stark an deutsche Industriegiganten wie Siemens oder Bayer erinnert: Die Strategie „Summe der Einzelteile“. Der Konzern plant, seine Luftfahrtsparte im dritten Quartal 2026 abzuspalten. Die Börse liebt solche „Spin-offs“, da die Einzelunternehmen oft höher bewertet werden als der schwerfällige Gesamtkonzern.
Wir haben dieses Phänomen Ende 2025 bei DuPont gesehen, und Investoren wetten nun auf eine Wiederholung. Die Honeywell-Aktie ist seit dem letzten Quartalsbericht um weitere 4 % gestiegen. Für den Trust bedeutet das einen satten Gewinn von durchschnittlich 30 % auf die Positionen, die 2022 und 2023 aufgebaut wurden.
Auf einen Blick
- Gewinne gesichert: Der Trust realisierte einen Gewinn von 7 % bei Home Depot und stolze 30 % bei Honeywell.
- Hoffnung auf den Bau-Boom: Home Depot setzt darauf, dass sinkende Zinsen eine neue Heimwerker-Welle auslösen.
- Konzern-Scheidung: Die bevorstehende Abspaltung der Aerospace-Sparte treibt Honeywell auf Allzeithochs.
- Liquidität ist Trumpf: Durch die Verkäufe baut der Trust Barreserven auf, um bei der nächsten Marktkorrektur wieder günstig einsteigen zu können.
Warum das für Sie wichtig ist
Diese Transaktionen unterstreichen eine Lektion, die besonders für sicherheitsorientierte deutsche Anleger essenziell ist: Rebalancing. Es ist leicht, sich in eine Gewinneraktie zu „verlieben“ und zuzusehen, wie sie das Portfolio dominiert. Doch wer nicht regelmäßig Gewinne stutzt, riskiert Klumpenrisiken. Wenn eine BMW- oder Siemens-Aktie überproportional wächst, sorgt ein Verkauf kleiner Tranchen dafür, dass das Risiko gestreut bleibt.
Zudem zeigt der Fokus auf die 200-Milliarden-Dollar-Stützungspläne, wie stark die Märkte derzeit an der Tropf der US-Zinspolitik hängen. Sollten die Zinsen nicht wie erhofft fallen, könnte die Wette auf die Immobilienerholung schnell nach hinten losgehen.
Das Fazit
Haben Sie keine Angst davor, Gewinne mitzunehmen, wenn der Markt Ihnen ein Geschenk macht. In der ruhigen, rationalen Anlegertradition gilt: Lieber ein wenig zu früh verkauft als viel zu spät.