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Texas Instruments trotzt 16 Jahren Saisonalität: Warum das Gehirn Ihrer Kaffeemaschine plötzlich heiß begehrt ist

29. Januar 2026Quelle: MarketWatch

Zum ersten Mal seit 2008 prognostiziert Texas Instruments einen Umsatzsprung entgegen aller saisonalen Trends. Während der Halbleiter-Riese das Ende der Bestandsflaute einläutet, wetten Anleger darauf, dass die 'Gehirne' in Autos und Industriemaschinen wieder gefragt sind.

Der 16-Jahres-Fluch ist gebrochen

Stellen Sie sich vor, Ihr Bankkonto würde seit fast zwei Jahrzehnten jedes Jahr im Januar nach den Feiertagen denselben vorhersehbaren Rückgang verzeichnen. Man würde sich daran gewöhnen, oder? Für Texas Instruments (TI) war dieser 'Januar-Blues' 16 Jahre lang eine mathematische Gewissheit. Doch nun hat der Halbleiter-Gigant eine kleine Sensation verkündet: Man erwartet, dass das erste Quartal 2024 das vierte Quartal 2023 tatsächlich übertreffen wird.

In der Welt der Halbleiter ist das so ungewöhnlich wie ein Schneesturm am Gardasee im Hochsommer. Historisch gesehen sinkt der Umsatz von TI im ersten Quartal um 5 % bis 10 %, da Elektronikhersteller ihre Produktion drosseln. Stattdessen prognostiziert TI einen Umsatz zwischen 3,4 und 3,7 Milliarden Dollar. Das deutet darauf hin, dass die lang ersehnte Erholung der Chipbranche kein Mythos ist, sondern verfrüht eintrifft.

Was genau passiert ist

Texas Instruments stellt nicht die glanzvollen Chips her, die KI-Chatbots antreiben. Sie produzieren die 'analogen' Chips, die in der realen Welt die harte Arbeit leisten. Denken Sie an den Sensor, der Ihrem BMW signalisiert, dass die Tür geschlossen ist, oder an die Komponente, die das Powermanagement in einer Siemens-Industrieanlage steuert.

In den letzten zwei Jahren steckte TI in der Flaute. Der Grund? Während der Pandemie gerieten Unternehmen in Panik und horteten Chips, als wären sie Klopapier. Als sich die Lieferketten normalisierten, stellten diese Firmen fest, dass ihre Lagerhallen voller Silizium waren, und stoppten die Bestellungen. Diese 'Bestandskorrektur' führte dazu, dass der Umsatz von TI sieben Quartale in Folge sank.

Doch das Blatt wendet sich. Das Unternehmen berichtete, dass die Bereiche Industrie und Automotive zwar noch etwas schleppend laufen, der Rest des Marktes aber aufwacht. Die TI-Aktie sprang nach der Nachricht um fast 4 % nach oben, da Anleger realisierten, dass die Talsohle nun endgültig im Rückspiegel zu sehen sein könnte.

Auf einen Blick

  • Seriensieger: Dies ist das erste Mal seit 2008, dass TI erwartet, den Q4-Umsatz im ersten Quartal sequenziell zu schlagen.
  • Die Prognose: TI peilt einen Q1-Umsatz zwischen 3,4 Mrd. $ (ca. 3,1 Mrd. €) und 3,7 Mrd. $ an und könnte damit die Schätzungen der Analysten übertreffen.
  • Lager-Peak erreicht: Das Unternehmen deutet an, dass die Kunden ihre 'Panikkäufe' endlich aufgebraucht haben und wieder bestellbereit sind.
  • Solide Ertragskraft: Trotz der Flaute erzielte TI einen Gewinn von 1,20 $ pro Aktie – ein Beweis für die schwäbische Disziplin bei der Profitabilität, selbst wenn der Gegenwind kräftig bläst.

Warum das wichtig ist

Texas Instruments gilt oft als der 'Kanarienvogel im Kohlebergwerk' für die Weltwirtschaft. Da ihre Chips in fast allem stecken – von Medizintechnik bis hin zu Kampfjets –, sagen ihre Verkaufszahlen mehr über den Zustand der globalen Fertigungsindustrie aus als Apple oder Nvidia es je könnten.

Wie Haviv Ilan, Präsident und CEO von TI, betonte: "Unsere Ergebnisse spiegeln die Stärke unseres Geschäftsmodells... und den Wert unseres vielfältigen Produktportfolios wider." Wenn TI sagt, dass es aufwärts geht, ist das ein Signal für den gesamten DAX-geprägten Industriesektor, dass der Kater nach der Pandemie überwunden ist.

Für Anleger markiert dies eine Verschiebung: Weg vom reinen KI-Hype, hin zu einer breiteren Erholung. Während alle auf die Sonne (Nvidia) starrten, hat TI uns daran erinnert, dass die analogen Chips – das Brot-und-Butter-Geschäft der Tech-Welt – diejenigen sind, die am Ende das Licht anlassen.

Fazit

Texas Instruments hat eine 16-jährige Pechsträhne gegen die Saisonalität beendet. Das signalisiert, dass die weltweite Chipschwemme vorbei ist und die 'langsame' Elektronik, die wir täglich nutzen, wieder in den Wachstumsmodus schaltet.

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