Wall Streets 'Bond King' oder die 'Zwei Kevins'? Das Hochpokern um den Fed-Vorsitz
Das Rennen um den mächtigsten Notenbankchef-Posten der Welt gleicht derzeit einem Krimi am Frankfurter Parkett. Während BlackRock-Stratege Rick Rieder zum Favoriten aufgestiegen ist, bleibt das politische Berlin und Washington skeptisch – denn Loyalität zählt in diesem Spiel oft mehr als Marktexpertise.
Was passiert ist
Stellen Sie sich die Suche nach dem nächsten Fed-Chef wie ein Finale bei 'Die Höhle der Löwen' vor, nur dass es um die Weltwirtschaft geht. Seit Monaten rätselt die Finanzwelt, wer Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank ablösen wird, und die Favoritenliste hat sich gerade dramatisch verschoben.
Rick Rieder, der Anleihen-Chef von BlackRock – ein Schwergewicht, dessen Wort bei DAX-Konzernen wie Siemens oder BMW Gewicht hat – ist plötzlich zum Wettfavoriten avanciert. Laut dem Prognosemarkt Kalshi liegt die Wahrscheinlichkeit für Rieder nun bei 48 %. Das ist ein massiver Sprung, wenn man bedenkt, dass noch vor einer Woche der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh mit weitem Abstand führte. Warsh ist nun mit 31 % auf den zweiten Platz zurückgefallen.
Warum dieser plötzliche Stimmungsumschwung? Es liegt an ein paar gezielten Worten von ganz oben. In einem Interview auf dem Weltwirtschaftsforum bezeichnete Donald Trump Rieder als „sehr beeindruckend“. Gepaart mit Berichten, dass Beamte im Weißen Haus Fans des Wall-Street-Veteranen sind, versetzte dies die Wettmärkte in helle Aufregung. Doch erfahrene Beobachter wissen: Ein Kompliment des US-Präsidenten kann so flüchtig sein wie eine DAX-Rallye vor Handelsschluss.
Auf einen Blick
- Der Spitzenreiter: Rick Rieder (BlackRock) führt derzeit mit einer Quote von 48 % auf Kalshi.
- Die Herausforderer: Die „zwei Kevins“ – Kevin Warsh (31 %) und Kevin Hassett (NEC-Direktor) – bleiben bei traditionellen Analysten hoch im Kurs.
- Der Loyalitätsfaktor: Kritiker bezweifeln, ob Rieder die bedingungslose Loyalität mitbringt, die der Präsident normalerweise schätzt.
- Die Wildcard: Experten warnen, dass Trump jederzeit einen Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubern könnte, den derzeit niemand auf dem Schirm hat.
Warum das wichtig ist
Wer die Federal Reserve leitet, hält das Lenkrad der Weltwirtschaft in der Hand. Diese Person entscheidet über Zinserhöhungen oder -senkungen, was alles beeinflusst – vom Zinssatz für Ihren Immobilienkredit bei der Sparkasse bis hin zu den Exportchancen der deutschen Industrie.
Die Wall Street liebt Rieder, weil er ihre Sprache spricht. Er verwaltet bei BlackRock Billionen von Dollar und versteht das „Innenleben“ des Finanzsystems (ca. 93 Euro pro 100 Dollar) besser als fast jeder andere. Aber es gibt einen Haken: Die „Loyalitätslücke“. Analysten wie Tobin Marcus von Wolfe Research sind skeptisch, ob Rieder in das Anforderungsprofil der Regierung passt.
Wie Marcus in einem aktuellen Memo anmerkte: „Erst letzte Woche betonte Trump weiterhin stark 'Loyalität' als Kriterium, was ein Hindernis für Rieder darstellt... Wenn dies immer noch die Denkweise des Präsidenten ist, scheint das ein offensichtliches Problem für Rieder zu sein, der keineswegs ein Loyalist ist.“
Und dann ist da noch der „Hassett-Faktor“. Während einige Trader glauben, Kevin Hassett sei aus dem Rennen, weil Trump erwähnte, er würde ihn im Nationalen Wirtschaftsrat vermissen, sehen andere darin eine klassische Finte. Auch der ehemalige Fed-Vizevorsitzende Roger Ferguson lässt sich vom Rieder-Hype nicht anstecken und glaubt weiterhin, dass die Wahl letztendlich auf einen der „Kevins“ fallen wird.
Das Fazit
Während die Wettmärkte derzeit alles auf eine BlackRock-Übernahme der Fed setzen, bleibt die Realität in dieser Administration simpel: Die einzige Umfrage, die zählt, ist die Meinung einer einzelnen Person im Oval Office. Für deutsche Anleger bedeutet dies weiterhin: Volatilität einplanen und auf Stabilität hoffen.